Schnell mal nach Sumatra geflogen

Sumatra. Das Reich der letzten Sumatra Tieger, Nashörner, Elefanten, Orang Utans, Hornbill (Nashornvögel) … Viele Arten wie den Thomas-Langur (ein besonders witziger kleiner Geselle) findet man nur dort. Im Leuser Nationalpark können all diese Arten wild und geschützt leben, außerhalb ist das leider etwas schwieriger….

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Die Zeit teilte sich in eine Woche Arbeit (Seminar) und eine Woche Urlaub.

Fangen wir von vorne an: Wie komme ich von Timor Leste, dass so weit entfernt im Osten liegt, in den westen Indonesiens fliege? Als eine der letzten Inseln der Lesser Sunda Inselgruppe ist Timor über 3.000 km Luftlinie von Medan, Nord Sumatra entfernt. Fast eine eigene kleine Weltreise; Sumatra liegt 2 Zeitzonen hinter Timor und ich wechselte von der Südhalbkugel wieder auf die Nordhalbkugel, als ich in Medan, Nord Sumatra, landete (da sieht man mal, wie unfassbar groß Indonesien eigentlich ist). Wie kommt es also, dass ich so weit fliege? Nun, da wir MaZler über Indonesien und Timor verteilt sind und auf Sumatra in Pematangsiantar das Mutterhaus der Franziskanerinnen in Indonesien steht, wurden wir dorthin zu unseren Zwischenseminar geladen.

Vom 11.02. – 17.02.2019 fand das Zwischenseminar für Freiwillige aus dem südostasiatischem Raum in Pemanatngsiantar, Sumatra, Indonesien statt. Im Mutterhaus der Franziskanerinnen, FCJM Indonesien, fanden die insgesamt 13 Freiwilligen verschiedener Entsendeorganisationen und 2 Teamer des MAZ Projekts  genug Platz für eine Woche Erfahrungsaustausch.

Während unsrer Zeit in Pematangsiantar besprachen wir Herausforderungen denen wir uns in unseren Projekten gegenüber finden und wie wir sie trotz sprachlicher und kultureller Hürde lösen können. So wurden viele verschiedene Themen an- und besprochen um Lösungsansätze auszuarbeiten und die anderen Teilnehmer auf ähnliche Situationen vorzubereiten. Bei all der Arbeit gab es jedoch immer noch genug Zeit sich auf persönlicher Ebene bei einem der leckeren Snacks der Schwestern auszutauschen – davon gab es wirklich reichlich! Gebratene Bananen, leckere Säfte und noch so Mancherlei stellten uns die Schwestern rund um die Uhr bereit.  Es war köstlich!

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Zeit zum Austausch untereinander gab es auch bei unserem Ausflug zum Lake Toba (Danau Toba), dem größten See Indonesiens und dem größten Kratersee der Welt. Auf der kleinen Insel im See, Samosir, aßen wir gemeinsam, schwammen zusammen und konnten einen Tag Auszeit genießen. Wir lernten einander untereinander besser kennen und es entstanden neue Freundschaften.

Durch die unterschiedlichen Einsatzländer (Indonesien, Thailand & Timor Leste) kam es auch zu einem kulturellen Austausch, der in Form eines bunten Kulturabends mit den Schwestern zu einer feierlichen Angelegenheit wurde. Jeder präsentierte etwas aus seinem Einsatzland, sei es Tanz, Gesang oder eine kleiner Sprachkurs. Selbst die Novizinnen der Franziskanerinnen bereicherten den Abend mit einem spontanem Tanz, bei dem wir Freiwilligen schnell einsteigen und mittanzen konnten. Alles in allem war das Seminar eine lehrreiche und spaßige Woche!

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Und da man nicht alle Tage einfach mal nach Sumatra kommt, haben meine treue Reisegefährtin Benita und ich beschlossen noch ein wenig länger zu bleiben und Sumatras Dschungel zu erkunden!

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Bukit Lawang war unser Ziel. Ein kleines Dorf im Norden der Provinz Nord Sumatra, fast schon in Aceh, der nördlichsten Provinz Sumatras. Die Reaktion, als wir nach einem Taxi dorthin fragten war verwirrt; ‚Bukit Lawang? Wie kommt ihr denn da drauf?‘ – ‚Wir wollen in den Dschungel und Orang Utans finden.‘, war die Antwort auf die wir belustigte Blicke ernteten, aber nach langem hin und her haben wir dann tatsächlich jemanden gefunden, der uns den langen Weg dorthin fuhr.

Die Fahrt allein war ein Abenteuer und Benita meinte schon, es würde ein Wunder sein wenn wir ankommen. Meine Mama wird jetzt die Hand vor den Mund schlagen, ruhig bleiben Mama. Unser Fahrer konnte nur Bahasa und unsere kleinen Brocken Bahasa Indonesia beschränkten sich auf Begrüßungen und Liedtexte, die wir im Microlet aufgeschnappt haben. Aber nach einigen Telefonaten unseres Fahrers haben wir auch verstanden, dass er genauso gut wusste wo Bukit Lawang liegt wie wir; irgendwo im Norden halt.

Die folgenden Stunden suchten wir am Straßenrand nach Schildern und Menschen, die uns den Weg nach Bukit Lawang weisen konnten und nachdem wir 6 Stunden unseren Weg suchten, kamen wir im Dunkeln schließlich am Willkommensschild vom schönen Bukit Lawang an! Um dort nach dem Weg zu unserem kleinen Hotel zu fragen, hielten wir und fragten ein letztes Mal nach dem Weg und wir drei staunten nicht schlecht, als uns der gefragte Herr dann mit: ‚Selamat Malam, Good evening, Benita and Hanna, right?‘, begrüßt wurden. Da wir unseren Dschungeltrek online gebucht haben (Bukit Lawang Trekking), warteten unsere beiden Guides am Eingang des kleinen Örtchens bereits auf uns, woran wir gar nicht mehr gedacht haben.

Am nächsten Tag ging es dann los, wir gingen die Batcaves (Fledermaushöhlen) erkunden. Richtig was für mich! Die Steine rauf und runter klettern, sich durch Felsspalten quetschen und die Höhlen entdecken. An den Decken hingen die Fledermäuse und machten Mittagspause, während wir uns unseren Weg durch ihr Schlafzimmer suchten.

Gerade wieder ans Tageslicht gewöhnt erzählte uns unser Guide, dass er auf einer Kautschukplantage eben eine Orang Utan Dame gesehen habe und wir staunten nicht schlecht, als wir sie auch entdeckten! So ein Orang Utan mit seiner Größe dort hoch oben im Baum, an den dünnen Ästchen hangelnd ist schon ein außergewöhnlicher Anblick! Ich hätte mir nie Träumen lassen, dass ich mal einen wilden Orang Utan auf Sumatra begegne – der Urlaub auf Sumatra war ja mehr oder weniger spontan.

Den Tag verbrachten wir mit schwimmen am Fluss, picknicken und Abends grillen am Fluss in der Nähe unseres Gasthauses, dass etwas außerhalb von Bukit Lawang lag. Dort verbrachten wir zwei Tage an denen wir Kettenanhänger aus Kokosnüssen schnitzten, lernten wie man Soto Ayam (für unsere vegetarische Benita ohne ayam – Huhn) oder mit unseren Guides Lieder auf der Gitarre klimperten und so mit den Gibbons in den fernen Bäumen um die wette sangen (/brüllten? :D).

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Donnerstag und Freitag stand dann der richtige Dschungeltrek auf dem Plan. Das bedeutet auch eine Nacht in einem Camp mitten im Dschungel… ich nenne es an dieser Stelle extra nicht Dschungelcamp. Um zu diesem Camp zu gelangen mussten wir uns erstmal unseren Weg durch den Leuser Nationalpark suchen. Rauf und Runter, über Wurzeln – manchmal auch darunter durch – und vorbei an riesigen Termitennestern und Ameisen Straßen. Auf unserem Weg trafen wir einen neugierigen Pfau und eine Menge Thomas Langur  Äffchen. Benita hatte sogar das Glück einen Hornbill zu sehen, aber ich musste natürlich genau in diesem Moment stolpern und hab ihn verpasst. Orang Utans sahen wir an diesem Tag keine mehr, was unserem Guide schon ein schlechtes Gewissen bereitete – aber es ist eben kein Zoo, sondern die Wildnis, da muss man schon ein wenig Glück haben.

Leider muss man dazu sagen, dass Monokulturen wie Kautschuk- und Palmölplantagen diese wilde Biodiversität gefährden und immer mehr eingrenzen. Der Preis für beide Produkte in den Keller gefallen , doch für viele Menschen dort ist es die Einnahmequelle Nummer eins und um den fallenden Preisen entgegen zu wirken werden immer größere Plantagen gebaut und so die Natur immer mehr zurück gedrängt. Auch die Umweltverschmutzung durch CO2 und besonders Plastikmüll ist ein dringendes Thema das wir alle in den Griff bekommen müssen, nicht nur auf Sumatra, Timor etc. sondern überall! 

Im Camp angekommen stützen wir uns direkt in die kalten Fluten des Flusses um zu duschen! Im Nachhinein möchte ich lieber nicht wissen wie ich nach diesem Tag gerochen habe… Am Abend machten sich unsere beiden Guides einen Spaß darauß, Benita und mich mit Kartentricks und Knobelspielchen an unseren Denkfähigkeiten zweifeln zu lassen (Benita stellte sich dabei um längen besser an als ich….). Bevor ich schlafen ging, setzte ich mich noch ein wenig ans Wasser und genoß die Atmosphäre, die aus einem meiner Bücher zu stammen schien. Der Mond schien durch die hohen Bäume auf den plätschernden Fluss und (damit es mir noch unwirklicher erschien) flogen sogar noch ein paar Glühwürmchen zwischen den Bäumen. Es hätte mich nicht überrascht, wenn Balu der Bär bananenessend im Fluss an mir vobei treiben würde oder Jane um die Ecke käme, um nach ihrem Tarzan zu suchen.

Am nächsten Tag war es schwer mit dem Muskelkater vom Vortag die steilen Hänge im Leuser wieder zu erklimmen, aber nach ein wenig Selbstmotivation und den helfenden Händen unserer beiden Guides ging das nach einiger Zeit auch wieder einfacher. Nach langer Zeit suchen fanden wir auch diesen Tag keine Orang Utans, aber unser Guide war fest entschlossen uns nicht gehen zu lassen ohne einen weiteren Orang Utan gesehen zu haben. So entschlossen, dass wir uns auf machten um Minna zu suchen. Minna ist ein schlaues Orang Utan Weibchen, die manchmal sogar aggressiv gegenüber Menschen wird um zu schauen ob sie Früchte bekommen kann. Und nach langem suchen in ihrem Territorium, fanden wir sie auch! Uuuuund liefen schnell wieder weg. 😀 Die gute hat uns bemerkt und ihre Strategie auch mal bei uns ausprobieren, aber wir waren schneller. Nicht lange danach fanden wir uns dann auch Jacky gegenüber, die Benita anscheinend sehr anzüglich fand, denn sie kam, schneller als man so einem großen Tier zutrauen würde, vom Baum runter und packte Benita bei der Hand. So standen sie dann da, ein wilder ‚Waldmensch‘ und eine überraschte Benita. Schönes Paar. Dann ging ein Gedanke durch Jackys Kopf: ‚Oh Finger, mal sehen was passiert, wenn ich da reinbeiße…‘ – Zum Glück hat das unser Guide vermutet und ging schnell dazwischen.

Nach zwei Tagen durch den Dschungel wandern endete unsere Tour am Fluss zu Fuße eines steilen Hangs (den ich größten Teils, eher unfreiwillig, auf meinem Hinterteil herunterrutschte anstatt zu klettern – ups). Dort wartete ein Reifen um uns über den Fluss zurück nach Bukit Lawang zu bringen. Nach all dem anstrengenden Wandern war das der perfekte Abschluss! Zu zweit im Reifen trieben Benita und ich ganz romantisch um die Windungen und die Stromschnellen des Landak Rivers. Es fühlte sich an wie das Ende unserer Flitterwochen. Dreckig von der Erde des Dschungels, nass vom Schweiß und Wasser und mit unseren Dschungelkronen aus riesigen Blättern in unseren Reifen gekuschelt müssen wir ein lustiges Päarchen abgegeben haben.

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Nach diesem Abenteuer beschlossen wir, noch ein paar Tage mehr in Bukit Lawang zu bleiben um einfach zu entspannen. Am Montag ging es dann wieder nach Medan zum Flughafen, von da nach Bali, eine Nacht am Flughafen von Bali und schließlich kamen wir bei mir in Dili an, mit einer Menge Geschichten, die wir den Kindern erzählen konnten.

 

Frohes Fest! Hanna ist zurück im Netz!

Guten Morgen, Guten Tag, Guten Abend -kommt drauf an wo auf der Welt ihr seid.

Lang nichts von mir gehört, ja hier war ganz schön viel los! Im November lebten einige Frater mit im Kinderheim, die Adventszeit war mit Vorbereitungen für Weihnachten und Festen gefüllt und jetzt sind eigentlich die Vorbereitungen für Neujahr zu erledigen, doch ich muss mir doch auch mal einen Moment Zeit hierfür nehmen.

Also gut, die Frage die wohl im Raum steht ist: Wie war Advent und Weihnachten fern der Heimat?

Anders. Ganz anders und doch erstaunlich ähnlich. Die Adventszeit verging ohne Glühwein, Weihnachtsmarkt oder besinnliche Stunden am Adventskranz. In Deutschland ist diese Zeit etwas ganz Besonderes und ich mag sie sehr, doch wenn ich ehrlich bin wäre diese Art von Weihnachtsstimmung hier fehl am Platz. Es mag ja ganz witzig sein Weihnachtslieder am Strand unter Palmen zu hören, aber besinnlich ist das nicht.

Etwas anderes brachte erwartungsvolle, besinnliche Freude, denn den etwas anderen Advent in der Natur beobachten zu können, war einfach überwältigend. Die Regenzeit tat was sie konnte um Dili ergrünen und erblühen zu lassen! Tag für Tag Spross mehr Gras, Knospen sprangen auf und es gab einige kühle Tage. Es war als würde sich die Natur auch auf Weihnachten vorbereiten.

Am 22. fingen wir an Haus und Hof zu putzen und zu schmücken, Plätzchen zu backen und Krippen zu basteln. Trotzdem fühlte es sich für mich noch nicht nach Weihnachten an – da wurde mir bewusst, wie sehr unsere eigenen Traditionen uns beeinflussen und wie wichtig sie doch sein können.

Am 24.12 um kurz vor 9 Uhr in der Kathedrale zu Dili, kam sie – die festliche Stimmung. Die Kinder, Schwestern und ich standen alle herausgeputzt und in neuen Klamotten zwischen hunderten anderen Menschen und warteten auf den Beginn der Messe. Zusammen mit Bischof und President, feierten wir die heilige Nacht und ich musste die ganze Messe über grinsen, weil ich plötzlich einfach ganz glücklich war. Ich war so weit von zu Hause, aber um mich herum standen meine Kids, meine Freunde kamen auch und wir feierten alle zusammen. Mit dem wissen, dass 8 Stunden nach mir meine Familie auch im schönen Peters Dom stehen würde und die Messe feiern würde, fühlte ich mich gar nicht mehr so weit weg von zuhause. Im Gegenteil: Ich fühlte mich ihnen sehr nah.

Puh, da kam der kleine Poet in mir hervor.

Zuhause im Kinderheim, durfte dann jeder machen was er wollte. So feiern wir Festtage hier: Die Kinder dürfen selbst entscheiden wann sie etwas machen wollen, was sie essen wollen und ob sie lieber ausruhen oder spielen. Geschenke gab es natürlich auch, die durften die Kinder am Morgen des 25. auspacken. Es gab, zur Freunde der Kids, eine Menge Süßigkeiten! Von mir bekamen sie zwei Kartenspiele (unteranderem mein Lieblingsspiel). Die Kinder waren so begeistert von den Spielen, dass wir den ganzen Abend ohne Pause spielten! Am Schluss wurde ich sogar in meinem allerliebsten Spiel sogar geschlagen, weil die Kids mit so viel Ehrgeiz dabei waren!

Erschöpft und glücklich konnte ich ins Bett fallen und dachte, dass Weihnachten hier doch mindestens genauso schön ist wie in Deutschland. Ich weiß jetzt für mich, was für mich an Weihnachten wichtig ist: geliebte Menschen um sich zu haben und Liebe und Gemeinschaft bewusst zu feiern! Es braucht nicht viel um glücklich zu sein, das ist die Weisheit, die ich aus diesem Jahr mit ins Nächste nehmen werde.

Damit nochmal Frohe Weihnachten und ein glückliches und gesundes Neues Jahr!

Achso Wichteln gibt’s hier auch! Hier ein paar Fotos vom Wichteltag mit meinen Freunden:

Foho Ramelau – Tatamailau

Bondia!

Auf Timor hab ich bisher schon das ein oder andere Abenteuer erlebt, viel neues gesehen und bin eine Menge gelaufen, doch das Abenteuer vom Wochenende (6.-7.10) toppt das ganze nochmal!

Nach ein paar Tagen Überzeugungsarbeit, habe ich eine Schwester dazu gebracht mit mir zum Foho Ramelau (ursprünglich Tatamailau genannt) zu fahren. Ramelau ist der höchste Berg Timor Lestes, der der Heiligen Mutter Gottes gewidmet ist. Jedes Jahr am Fest der Rosenkranzkönigin (07.10.) pilgern hunderte von Menschen zum und auf den Berg um gemeinsam zu beten und Maria Ehre zu erweisen.

Gemeinsam mit einem Bekannten der Schwester, seiner Tochter und 3 weiteren Frauen folgten wir dem Ruf des Berges. Allein der Weg dorthin war schon ein Abenteuer! Zu Beginn war ich überrascht wie gut die Straße war, die wir fuhren, denn Timors Regierung hat ein Programm ins Leben gerufen, dass die Hauptverkehrswege des Landes aufbauen soll. Doch die Freude hielt nur kurz an, denn kurz darauf fand ich mich auf einem Weg, bei dessen Beschaffenheit ich froh war, dass ich auf einem gut gepolstertem Autositz sitzen konnte (anders als andere Pilger).

Die 5 Stunden Fahrt durch die bergige Landschaft haben mir viele Seiten Timors gezeigt, die ich in der Hauptstadt bisher noch nicht sehen konnte: Viele verstreute, kleine Häuser mit Feldern und Tieren, Wasserfälle mit ihren riesigen Flüssen und kleine Wasserläufe, die wir mit unserem Jeep einfach durchfuhren. Es schien mir, als wäre hinter jedem Berg ein anderes Klima mit anderer Pflanzenwelt, mal grün, feucht – perfekt für Kaffee und Reis, mal trocken und staubig – das erinnerte mich an Israel. Meine Begleiter haben mich dementsprechend 5 Stunden mit offenenstehenden Mund am Fenster sitzen sehen, wobei ich mir gleich zu Beginn des Ausflugs das Gesicht verbrannt habe und sich eine Menge Staub in meinem Mund gesammelt hat.

Als es bereits dunkel war, kamen wir in dem kleinem Dorf, am Fuße des Giganten Ramelau, an. Viele hundert Menschen waren schon da, feierten bei Musik und Feuer und machten sich bereit, den Berg zu besteigen. Die Stimmung erinnerte mich an den Weltjugendtag, als tausende Menschen den Tag der Messe mit dem Papst auf dem Feld bei Krakau erwarteten. Als ich vor dem Massiv des Berges stand, kam ich mir vor wie ein Hobbit und mir wurde das Ausmaß meines Vorhabens bewusst, doch es gab kein Zurück mehr: Wir zogen uns unsere dicken Klamotten an (da es im Tal bereits nur 15°C waren) und begannen unsere Wanderung.

Geimeinsam mit den anderen Pilgern starteten wir gegen 8 Uhr Abends unsere Wanderung unter einem pechschwarzen und unglaublich schönem Sternenhimmel. Wortwörtlich Diamanten am Himmel, wie es ein Kinderlied beschreibt, das ich im Kindergarten gelernt habe. Der Aufstieg war anstrengend und kalt, aber unsere Gruppe ging langsam und rastete oft an den Feuern anderer Pilger. Von überall her erklangen Gebete und Lobpreislieder mit Gitarren und Lautsprechern (hin und wieder hörte man auch ‚despasito‘), während wir unser Proviant gierig verzehrten.

Immerwieder hatte ich Hoffnung angekommen zu sein, doch hinter der nächten Kurve kam bereits der nächste Anstieg. Die Augen und Beine wurden schwer, aber wir kämpften uns durch die Nacht. Gegen 2 Uhr (vermute ich) kamen wir auf dem Bergrücken an und schlugen unser Nachtlager auf. Da ich schon vermutet hatte, dass wir wohl auf dem Weg schlafen würden, habe ich alle meine Pullover, Socken und einen dünnen Schlafsack mitgenommen. Das alles brachte nichts, der Wind bließ die Wärme immer wieder von meiner Haut und ließ mich die Nacht schlaflos und frierend verbringen. Ich hätte nie gedacht, dass es auf Timor frostig werden kann, damit hat mich der Berg überrascht. Aber das machte mir nicht viel aus, ich war sowieso viel zu sehr damit beschäftigt die fremden Sterne der Südhalbkugel über mir zu beobachten, so vergaß ich auch den steinigen, kalten Boden unter mir, von dem ich immernoch blaue Flecken habe. Genauso stell ich mir die Abenteuer in meinen Büchern vor!

Als endlich der sehnsüchtig erwartete Sonnenaufgang kam und die Kälte der Nacht langsam schwand, wurden die Menschen um uns langsam wieder aktiv und bald war wieder Trubel wie auf einem Ameisenhügel (ein passender Vergleich nicht wahr?). Um die Kälte endgültig aus unseren Knochen zu vertreiben, starteten wir die letzte Etappe hoch zum Gipfel, wo die Statue der Mutter Gottes die Pilger erwartet.

Dort oben angekommen, hatte ich wirklich Angst vom Wind einfach über die steilen Klippen gefegt zu werden! Aber die Aussicht war wahnsinnig schön und das Gefühl, den höchsten Punkt Timor Lestes erreicht zu haben, erst recht! Jetzt verstehe ich auch, warum Frodo und Sam die letzten Meter des Schicksalsbergs so dramatisch erklommen haben (aus Tolkiens ‚Herr der Ringe‘). Ganz so dramatisch war es bei uns nicht, aber die Schwester und ich mussten uns gegenseitig stützen um beim Auf- und Abstieg nicht auf dem Geröll auszurutschen. Dazu muss ich noch sagen, dass der Abstieg viel anstrengender war, da wir bereits geschwächt, dreckig und müde waren und der Berg es uns nicht leicht machte, mit seiner staubigen Piste.

Nach 2 Tagen die wir auf und mit dem Berg verbracht haben, waren wir alle glücklich endlich wieder im wärmeren Tal angekommen zu sein und uns auf die gepolsterten Sitze des Autos setzten zu können! Den Rückweg im Auto haben meine Begleiter verschlafen, doch ich war wieder gebannt von der Schönheit Timors, sodass ich meine Müdigkeit wieder vergaß. Die anderen verschliefen sogar die Verfolgungsjagd der Polizei, die einen orangenen Van an uns vorbeijagdte!

Zurück im Noviziat war ich froh mir den Staub vom Körper kratzen zu können! Ich hätte Stunden duschen können, wäre ich nicht so müde gewesen! Nach einem schnellen Essen fiel ich erschöpft und überglücklich in mein weiches Bett, das ich schon nach einer Nacht auf den Steinen Ramelaus vermisst habe.

Ich bin gespannt was sonst noch die Seiten meines Tagebuchs füllen wird!

Die Liebe zur Natur

Bondia!

Vor kurzem bin ich über etwas gestolpert was mich sehr glücklich aber auch sehr nachdenklich gemacht hat!

Timor Leste hat eine einzigartige Natur und die Menschen hier leben von und mit ihr. So heißt es zum Beispiel, dass man ein Krokodil nicht nur ‚Krokodil‘ nennen darf, sondern es ‚Großvater Krokodil‘ nennen soll. Unser Lehrer sagt sogar, es bringe Unglück und ein, in seinem Stolz verletztes, Krokodil würde den ‚respektlosen Pechvogel‘ danach beißen. Eine Geschichte der Timoresen erzählt nämlich von einem großen Krokodil, welches im Meer schwimmt und seine Nachkommen auf seinem Rücken trägt und beschützt. Diese Nachkommen sind Mensch und Krokodil. (Deswegen ist die Landschaft auch so hügelig wie der Rücken eines Krokodils.)

Diese Geschichte finde ich toll, weil es die Verbundenheit der Menschen mit der Natur und ihren Geschöpfen ausdrückt. Andere Geschichten erzählen von Frau Meer und Herr Meer, doch über sie muss ich noch mehr herausfinden bevor ich die Geschichten weitergeben kann.

Wie dem auch sei, trotz der Verbundenheit mit der Natur ist Müll ein großes Problem in Timor Leste. Das Bewusstsein, dass der Müll der Natur schadet ist noch nicht weit verbreitet und so landet der Müll oft achtlos im Graben oder wird abends auf der Straße verbrannt. Eine Müllabfuhr gibt es schon, aber es fehlt an Ausrüstung und Arbeitern.

Glücklicherweise haben viele Studenten und junge Erwachsene aus Dili sich in den Kopf gesetzt, ein Bewusstsein zu schaffen und so für die Natur einzustehen. Durch Aktionen und Aufrufe im Internet versuchen sie ihr Interesse durch zu setzten:

Plakate, Instagram- und Facebookposts und schließlich die Teilnahme am ‚Global Beach Clean up‘ sind Zeichen ihres Engagements.

Ich freue mich sehr darüber, weil ich persönlich von klein auf zu Umweltbewusstsein erzogen worden bin und wir schon in der Grundschule hin und wieder zum Müllsammeln geschickt worden sind, um uns zu zeigen wie mühsam es ist, den Müll anderer weg zu räumen.

Ich möchte mit diesem Beitrag daraufhinweisen, wie die junge Generation, die nach Ende des Krieges aufwächst, sich für die Sauberkeit und das Wohlergehen ihres Landes einsetzt. Auserdem möchte auch ich Bewusstsein schaffen, denn in Deutschland wird unser Müll abgeholt und scheint einfach zu verschwinden. Dann heißt es: ‚Aus den Augen, aus dem Sinn.‘ Aber aus der Welt? Nein. Solange unsere Straßen müllfrei sind, stellen wir uns bloß nicht die Frage wo unser Müll hingeht.

Da ich hier in Dili täglich damit konfrontiert werde, mache ich mir nun mehr Gedanken darüber. Das sollten wir alle tun, immerhin wohnen wir alle auf der selben Erde, ob auf Großvater Krokodils Rücken oder in einer deutschen Kleinstadt.

Dilis Straßen

Die Gelassenheit der Timoresen – mitten in der Hauptstadt

Bondia!

Die letzten Tage benutzen meine Mitstreiter und ich, um die vielen Straßen Dilis genauer kennenzulernen. Die anfängliche Unsicherheit mit der Benutzung der Microlets (was zu abenteuerlichen Irrfahrten führte) haben wir bereits überwunden und kommen meist am gewünschten Ziel an.

Eile sucht man vergeblich im bunten Trubel auf Dilis Straßen. Es sind zwar überall volle Straßen und von überall erschallt das gehupe, doch scheinen die Menschen gelassen. Gehupt wird um zu sagen ‚Vorsicht, ich bin in deinem toten Winkel‘ oder ‚Braucht ihr ein Taxi?‘. Auch wenn sich ein Herr im Anzug auf seinem Motorroller an einem der bunten Microlet vorbeiquetscht, regt sich kaum einer auf, dann wird eben gewartet.

Palaco de Govermento

Wie dem auch sei, auf den Straßen sind nicht nur Autos unterwegs. Auch Händler, Schüler und andere Menschen bahnen sich ihren Weg am Straßenrand. Besonders in der Nähe des Strandes sammeln sich Studenten, die ihre Freistunden genießen, Fischer, die im Schatten der hohen Bäume ihre Netze flicken oder Reis- oder Obsthändler, die ihre Waren anpreisen. Zusammen ergeben sie ein buntes Bild, welches mich jedes mal beim spazieren gehen erfreut!

Kaum zu glauben, aber das ist mitten in der Stadt – gleich neben dem Palaco de Govermento

Die Mutter des hübschen Kindes bat uns sogar darum, ein Foto von ihrer Tochter zu machen.
Die Natur lebt hier Seite an Seite mit den Menschen

Einige junge Leute, wie zum Beispiel von einer Kunst Schule die wir entdeckten, interessieren sich dafür, das Bild auf den Straßen noch bunter zu gestalten. An einigen Ecken finden sich deswegen schon bemalte Wände, die auch die Kultur Timor Lestes farbenfroh darstellen sollen.

Ich freu mich von Tag zu Tag mehr darauf, mein Jahr in einer solchen farbenfrohen Umgebung verbringen zu dürfen!


Von Hunden und andere Geräuschen

Bonuite!

Heute mal einen guten Abend! Denn die Abende in Dili haben ihren ganz eigenen Charme.

Wenn die Hitze des Tages abgeklungen ist und auch die Ameisen und anderen Tierchen sich in ihr Nachtquartier zurückgezogen haben, sitzen wir drei Freiwliigen gerne draußen und genießen die frische Luft, die vom Meer her weht.

Andere haben natürlich dieselbe Idee und so kommt es, dass, trotz der ab 6 Uhr nicht mehr fahrenden Microlets, noch viele Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Nicht nur Menschen, auch Hunde haben die Nacht für sich entdeckt. Die vielen Streuner nutzen die Zeit um die Rangordnung unter sich zu klären, was mir und meinen beiden Freunden B&B am Beginn unserer Zeit hier viele wache Nächte bescherte…

So gegen 3 Uhr, wenn die Hunde dann langsam müde werden und sich ihr Plätzchen für die Nacht suchen, werden sie von ihren ungleichen Freunden, den Hähnen, abgelöst. Davon gibt es genug und auch sie müssen untereinander herausfinden, wer am schönsten den nächsten Tag ankündigen kann.

Ab 5:30 Uhr beginnt dann wieder die Zeit, in der der Mensch das Stadtbild und die Geräuschkulisse dominiert. Die Autos und Motoräder rauschen vorbei, klappern und hupen. Die ersten Gemüsehändler schieben ihre Karren Richtung Markt, dabei begleitet sie ihr Lieblingssong und der Nachbar kocht schon seinen Morgen reis, in der Küche die an unser Haus grenzt. Tatsächlich muss ich mir keinen Wecker stellen, da ich bereits einen Wecker habe, der mich sanfter und viel besser aus dem Schlaf holt, als jeder Handywecker. Die Schwestern beginnen ihren Tag jeden Morgen mit ihrem gesungenem Morgenlob, welches dank der vielen Gesangstunden der Novizinnen wirklich schön anzuhören ist!

Nach über 2 Wochen in dieser Kulisse, habe ich mich jedoch schon daran gewöhnt und verschlafe jegliche Form von Geräuschen die zwischen 10 und 6 Uhr stattfinden! Und das obwohl ich von zuhause absolute Ruhe gewohnt bin. Das beweist auch wie gut mein Bett hier ist! Dann mal eine gute Nacht!

Liquica

Bondia!

Bei unserem bisherigen herumstreunen durch Dili und seine Umgebung, sind wir bereits durch einen anderen Distrikt Timor Lestes gekommen. Liquica liegt im Westen von Dili und ist geprägt von Mangroven und Palmstränden. In meinen Augen ist es ein unberührtes, ursprüngliches Paradies,welches ich gerne mit euch teilen möchte!

Im Gegensatz zu Dili herrscht in den kleinen Orten an der Küste Liquicas, trotz der neuen, gut gepflasterten Straße, wenig Verkehr. Die Bewohner verkaufen ihre Waren, aus eigenem Anbau, direkt an der Straße oder fischen im seichten Wasser des klaren Meeres.

Unser Padre, der uns gerne mit nach Liquica nimmt, warnte uns jedoch nicht zu weit an die Mangrovenwäldchen heran zu gehen, da sich dort gerne Krokodile zwischen den charakteristischen Wurzeln aufhalten würden und es hin und wieder zu Angriffen auf unachtsame Kinder oder Fischer käme.

Daher fuhren wir bisher immer zu einem Ort fern der Mangroven. Dort besuchten wir bereits 2 mal eine Familie, die direkt am Meer haust und lebt. Die Gastfreundschaft der Timorense konnten wir dort einmal mehr erleben. Der frisch gefangene Fisch vom Morgen wurde für uns auf verschiedene weißen gebraten und mit Reis serviert. Zusammen mit der Familie durften wir den köstlichen Fisch essen. Selbst meinen beiden Begleitern und Fischverneinern B&B schmeckte der Fisch, in Kokosöl oder direkt vom Feuer, eigentlich sogar ganz gut.

Nach einem erfrischenden Bad in den blauen Fluten, ging es wieder nach Hause.